Palästina: Bevölkerung ohne internationale Schutzbegleiter
Das "Ökumenische Begleitprogramm in Palästina und Israel" (EAPPI) des Weltkirchenrates kann derzeit aufgrund der aktuellen Lage nicht in Präsenz durchgeführt werden. Die EAPPI-Verantwortlichen bemühen sich aber, zumindest eine virtuelle Präsenz aufrechtzuerhalten. Das hat Iskandar Majlaton, EAPPI-Programmreferent im Weltkirchenrat, in einer Aussendung betont. An dem Programm ist auch der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) beteiligt.
Im Rahmen des Programms werden vom Weltkirchenrat Freiwillige aus aller Welt entsendet, die sich für ein Ende der Gewalt und ein friedliches Zusammenleben von Palästinensern und Israelis einsetzen. Zu den Aufgaben der EAPPI-Mitarbeiter zählt etwa die Begleitung von Kindern und Jugendlichen auf ihrem Weg zur Schule, von palästinensischen Bauern zur Arbeit auf ihre Felder oder die Präsenz bei den zahlreichen israelischen Checkpoints. Allein die Präsenz der Freiwilligen soll dazu beitragen, dass es erst gar nicht zu Gewalt kommt - von keiner Seite.
Anfang März hatte der Weltkirchenrat mitgeteilt, dass die ökumenischen Beobachter evakuiert worden seien. Die palästinensischen Gemeinden, die mit zunehmender Siedlergewalt, Landannexion und systematischer Enteignung konfrontiert sind, seien seither ohne die lebenswichtige internationale Schutzbegleitung. Der Weltkirchenrat fühle sich diesen Menschen aber verpflichtet. Es gehe darum, "Zeugnis abzulegen, Solidarität zu zeigen und die Würde aller Menschen zu bekräftigen", so Majlaton.
Das nun laufende virtuelle Begleitprogramm könne zwar die physische Anwesenheit nicht ersetzen, doch es sei eine gewissenhafte und notwendige Überbrückung. Majlaton: "Durch das Programm möchten wir sicherstellen, dass die Gemeinden in Palästina nicht außen vor gelassen werden und der Dienst der Begleitung, verankert in Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Wahrheit, trotz physischer Entfernung weitergeführt wird." Zum virtuellen Begleitprogramm gehöre "ein wöchentlicher virtueller Austausch, Zuhören, Dokumentation, Bezeugung sowie Berichterstattung und Advocacy-Arbeit".
Die Gefährdung und tägliche Gängelung der Gemeinschaften, die der Weltkirchenrat unterstütze - Bauern- und Beduinengemeinden in den südlichen Hebron-Hügeln, Familien und Schulkinder in Jerusalem und Bethlehem sowie die Gemeinden im Jordantal - "lässt nicht nach".
Der im ÖRKÖ für das Begleitprogramm zuständige evangelisch-reformierte Pfarrer Thomas Hennefeld hatte sich bei der letzten ÖRKÖ-Vollversammlung im Herbst 2025 besorgt über die zunehmende Gewalt von jüdischen Siedlern im Westjordanland gezeigt. Er hoffe, so Hennefeld damals, dass noch 2026 und 2027 wieder zwei Freiwillige aus Österreich am Programm teilnehmen können. Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) beteiligt sich seit 2010 am EAPPI-Programm.
(Infos: https://oikoumene.org/ bzw. www.oekumen.at)
Quelle: kathpress

