Für Religionsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit, gegen Extremismus

Mit Sorge beobachtet der Vorstand des Ökumenischen Rates der Kirchen jüngste gesellschaftliche und politische Entwicklungen in Österreich, die das hohe Gut der Religionsfreiheit gefährden. Wir halten unmissverständlich fest: Der Kampf gegen jede Form von Extremismus und politischem Missbrauch von Religion und der Einsatz für Religionsfreiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind zwei Seiten einer Medaille. Das eine kann es nicht ohne das andere geben.
Pauschale Verdächtigungen gegen bestimmte Religionen oder sonstige gesellschaftliche Gruppen schüren nur weitere Spaltungen und Konflikte. Dies widerspricht nicht nur rechtsstaatlichen und menschenrechtlichen Prinzipien, sondern verhindert zugleich eine effektive Bekämpfung tatsächlicher extremistischer Strömungen und Bedrohungen.
Wir rufen die politisch Verantwortlichen dazu auf, mit Entschiedenheit, auf der Grundlage des Rechtsstaats und faktenbasiert, gegen Extremismus und jede Form von Gewalt vorzugehen. Die Kirchen und Religionsgemeinschaften sind gefordert, ihren Beitrag dazu zu leisten.
Wir verurteilen Gewalt und Extremismus unabhängig von ihrer religiösen oder weltanschaulichen Begründung auf das Schärfste. Genauso sehen wir die Kirchen und Religionen aber auch in der Pflicht, pauschalen Verdächtigungen entgegenzutreten, die Religionsfreiheit zu schützen und uns mit Menschen und Gemeinschaften zu solidarisieren, die von Diskriminierung betroffen sind.
Im Blick auf den Generalverdacht gegenüber der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich erinnern wir daher an die Charta Oecumenica (revidierte Ausgabe von 2025). In ihr bekennen sich die christlichen Kirchen in Europa zum vehementen Eintreten für Gedanken-, Religions- und Gewissensfreiheit in allen Religionen, "um miteinander Europa im Rahmen des Rechtes und des Gemeinwohls aller zu gestalten".
Wir halten deshalb fest: Frieden, Religionsfreiheit, die Achtung der Menschenrechte und der demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien sind in Österreich alternativlos.
