ÖRKÖ-Dokumente Ökumenischer Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ)

ÖRKÖ-Schreiben zu aktive Sterbehilfe in Europa

Der folgende Brief wurde Ende September 2003 vom ÖRKÖ an alle Mitglieder der Österreichischen Bundesregierung und an alle österrechischen Vertreter in der parlamentarischen Versammlung des Europarates gerichtet:

Laut Presseberichten soll in der Sitzung des Parlaments des Europarates Ende September 2003 erneut über die Frage aktiver Sterbehilfe beraten und entschieden werden. Laut Meldung der Nachrichtenagentur "kathpress" vom 9.9.2003 lautet der zentrale Satz in der Vorlage, formuliert von Herrn Dick Marty (Schweiz): »Niemand hat das Recht, einem Sterbenden oder einem in der Endphase Erkrankten aufzuerlegen, weiter in Angst und unerträglichen Schmerzen zu leben, sofern dieser wiederholt seinen Wunsch zu sterben ausgedrückt hat.«
Die hier eingenommene Position stellt eine tiefgreifende und problematische Veränderung gegenüber 1999 dar und auferlegt Dritten beinahe eine moralische Verpflichtung, aktive Sterbehilfe zu leisten.
Wir appellieren an Sie, in Übereinstimmung mit dem breiten Konsens in Österreich, dem neuen Entwurf nicht zuzustimmen. Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich hat im Jahre 2000 öffentlich eine »Erklärung zum menschenwürdigen Sterben« abgegeben. Die Erklärung ist von allen vier im Parlament vertretenen Parteien zustimmend zur Kenntnis genommen worden.
Wir legen Ihnen diesen Text zu Ihrer Information in deutscher und englischer Sprache bei. Die Stellungnahme gibt die Haltung der Kirchen wieder, die im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich zusammenarbeiten.

Pastor Prof. Helmut Nausner, Sekretär des Ökumenischen Rates

© 2004 - Eine Information des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich